Abtrennung von Fingern oder der Hand durch einen Unfall

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Abtrennung von Fingern oder der Hand durch einen Unfall

Im Kindesalter sind Abtrennungen der Finger oder der Hand eher selten. Eher kommt es zu Abtrennungen von Fingerkuppen oder Fingerendgliedern durch Messer, zuschlagende (Auto-)Türen oder Hundebisse. Auf jeden Fall sollten die Erziehungsberechtigten immer das abgetrennte Stück mitbringen und zum Transport möglichst sachgerecht lagern:

  • Das Amputat in eine möglichst saubere kleine Plastiktüte geben und diese dicht verschließen.
  • Diese Tüte sollte zusammen mit etwas kaltem Wasser und reichlich Eiswürfeln in eine zweite Plastiktüte gegeben werden.
  • Dann müssen die verschlossenen Tüten zusammen mit dem Patienten ins Krankenhaus gefahren werden. Zur Blutstillung des Stumpfes genügt ein Druckverband.

Ist die Amputation nicht länger als zwölf Stunden her und befindet sie sich noch unterhalb des Fingernagels (körpernah), so sollte der Patient möglichst direkt in ein Handchirurgisches Zentrum mit einem Replantationsteam gebracht werden. In diesem Fall stehen die Chancen gut, dass das Amputat mikrochirurgisch zurückverpflanzt werden kann. Nicht immer kann ein abgetrenntes Körperteil jedoch erfolgreich replantiert werden.

Der Erfolg hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:

  • von der Zeitspanne zwischen Amputation und Replantation, die so kurz wie möglich sein sollte (nicht länger als 12 Stunden)   
  • dem Zustand des Amputats: Ist das Glied stark gequetscht worden, sind Blutgefäße vorhanden?
  • dem Zustand des Patienten: liegen weitere schwere Verletzungen vor, die eine lange Replantationsdauer nicht zulassen? Gibt es Begleiterkrankungen, die eine lange OP verbieten?
  • auch der Wille des Kindes bzw. der Eltern ist maßgeblich, die sich die Frage stellen müssen, ob eine Replantation sinnvoll ist. 

Die Alternative wäre ggf. ein etwas verkürzter Finger und damit eine schnellere und unkomplizierte Heilung. Allerdings ist die Rückverpflanzung des Fingerglieds bei Kindern im Zweifelsfall sinnvoll, da hier die Heilung meistens besser funktioniert als bei Erwachsenen.

Bei Amputationen der Fingerkuppen können wir entweder die mitgebrachten amputierten Kuppen nach entsprechender Säuberung und Vorbereitung wieder auf die Wunde aufnähen, oder die Wunde mit einer sogenannten lokalen Nahlappenplastik abdecken. Hierbei wird durchblutetes Gewebe mit Haut aus der unmittelbaren Umgebung des Defektes in die Wunde verschoben, um sie zu schließen. Kleinere Amputationen können auch unter speziellen Verbänden langsam von alleine abheilen. Alle diese Methoden bringen eine minimale Verkürzung des betroffenen Fingers mit sich, die aber im Alltag nicht stört. Nach der Operation wird der entsprechende Finger oder die ganze Hand für die Dauer der Wundheilung mit einer Schiene ruhiggestellt. Die meisten Kinder benötigen nach einer Fingerkuppenamputation keine weitere Nachbehandlung, insbesondere keine Krankengymnastik. Anders sieht das natürlich nach Amputationen ganzer Finger oder der Hand mit Replantation aus, hier sind Krankengymnastik und Ergotherapie zur Wiederherstellung der Funktion nötig.