Essstörungen, inkl. Magersucht (Anorexie) und Ess-Brech-Sucht (Bulimie)

Schlankheitswahn, Kalorienzufuhr, Appetit, Heißhungerattacken

Essstörungen sind im Grunde genommen Verhaltensstörungen, bei denen die Gedanken des Patienten fortwährend und zwanghaft um das Thema Nahrungsaufnahme kreisen. Meist wird das Thema auf die Diagnosen Magersucht (Anorexie) oder Ess-Brechsucht (Bulimie) reduziert; es existieren jedoch noch zahlreiche andere Formen von Essstörungen. Betroffen sind meist Mädchen und junge Frauen, seit einigen Jahren sind allerdings zunehmend auch Jungen betroffen. Auch werden die Patienten immer jünger, so dass selbst zehn- und elfjährige Kinder behandelt werden müssen. Da die Symptomatik Körper und Seele betrifft, gehört das Phänomen in den Bereich der Psychosomatik.

Folgerichtig setzen wir die Therapie in unserer Diabetologie / Endokrinologie abteilungsübergreifend zwischen Kinder- und Jugendheilkunde und Kinder- und Jugendpsychiatrie an. Wir behandeln ca. 70 neue Fälle pro Jahr.

Wie entstehen Essstörungen? Welche körperlichen Folgen sind zu erwarten?

Die Ursachen für Essstörungen sind vielfältig, die Grenze zwischen positiven Vorstellungen von Essgewohnheiten, Schlankheit, Körperlichkeit und krankhaftem Verhalten ist fließend. Ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis dieser Krankheitsform ist der Druck, den gesellschaftliche Vorstellungen von Schönheit auf das Selbstwertgefühl und das Selbstverständnis des Einzelnen ausübt. Viele Mädchen (und zunehmend Jungen) messen sich an dem Idealbild von körperlicher Ästhetik, das die Werbung und die Medien zeichnen. Die Diskrepanz zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung, sowie die Angst, dem Ideal nicht zu entsprechen, führen zu zwanghafter Gewichtkontrolle und Maßnahmen. In der Folge reduzieren die Patienten die Kalorienzufuhr meist weit unter das medizinisch gebotene Maß, behandeln sich selbst mit Abführmitteln und Appetitzüglern bzw. erbrechen sich nach Heißhungerattacken. Die psychische Notlage zeitigt körperliche Symptome: Der Stoffwechsel beispielsweise wird beeinträchtigt, der Elektrolythaushalt und das Herz-Kreislaufsystem gestört, innere Organe geschädigt, die Zähne leiden unter dem Erbrechen.

Wie stellen wir Essstörungen fest?

Eingehende Gespräche mit unseren Patienten bzw. deren Eltern sind unser wichtigstes diagnostisches Mittel. Gleichzeitig sind auch körperliche Untersuchungen angezeigt, um bestehende organische Folgeschäden der Essstörung einschätzen zu können.

Wie behandeln wir Essstörungen?

Neben der Behandlung eventuell vorhandener organischer Schädigungen verfolgen wir ein Therapiekonzept, das verschiedene Ansätze berücksichtigt. Dass können neben psychotherapeutischen Behandlungsformen auch familientherapeutische Instrumente sein. Speziell bei Kindern und Jugendlichen ist die Beratung und Einbeziehung der Eltern in therapeutische Prozesse besonders wichtig. Dazu kann eine medikamentöse Unterstützung sinnvoll sein.