Gelbsucht des Neugeborenen

Gelbsucht, Icterus neonatorum, Neugeborenengelbsucht, Bilirubin, Leber, rote Blutkörperchen, Blutgruppe, Gelbfärbung der Haut, Phototherapie, Bluttransfusion

Gelbsucht bei Neugeborenen

Vorab: Die Gelbsucht bei Neugeborenen ist ein völlig normaler Vorgang, der nichts mit der Gelbsucht (Icterus) zu tun hat, die beispielsweise eine Begleiterscheinung der Leberentzündung Hepatitis ist. Ca. 50 – 60 Prozent aller Babys machen eine Neugeborenengelbsucht in den ersten drei bis sieben Lebenstagen durch. Das Phänomen, in der Medizin auch Icterus neonatorum genannt, wird durch den Blutfarbstoff Hämoglobin und dessen Abbauprodukt Bilirubin verursacht. Im Mutterleib hat das ungeborene Kind einen besonders erhöhten Sauerstoffbedarf. Durch die Nabelschnur transportiert der mütterliche Organismus verstärkt rote Blutkörperchen in den Blutkreislauf des Kindes. Nach der Geburt und mit Einsetzen der Atmung wird das Hämoglobin zu Bilirubin abgebaut, jedoch ist die unreife Leber nicht in der Lage, die großen Mengen dieses Blutfarbstoffs zu bewältigen. Der Ikterus als Folge dieses Prozesses ist in der Regel kein Anlass zur Besorgnis, jedoch kann unter bestimmten Umständen die Bilirubinkonzentration im Blut so hoch sein (größer als 20 mg / dl), dass eine sofortige Therapie nötig wird. Zu diesen Fällen gehören Unverträglichkeiten der mütterlichen und kindlichen Blutgruppe, bestimmte Anämien und andere Faktoren. Dann überwindet das Bilirubin unter Umständen die Blut-Hirnschranke, die das Neugeborene vor diversen Substanzen schützt und schädigt das empfindliche Hirngewebe.

Symptome

Das augenfälligste Symptom hat dem Phänomen seinen Namen gegeben: Haut, Schleimhäute und das Augenweiß färben sich auffällig gelb. Betroffen sind das Gesicht, Schultern und Arme, in extremen Fällen auch der gesamte Körper. Weitere, nicht sichtbare Krankheitszeichen (Bilirubinwert im Blut) identifizieren wir im Rahmen der Diagnostik.

Diagnose

Wie eben beschrieben, reicht die erste Inaugenscheinnahme für den Befund Neugeborenengelbsucht. Allerdings kann kein Arzt durch Betrachtung klären, ob eine Therapie aufgrund zu hoher Bilirubinwerte notwendig ist. Diese Frage klären wir innerhalb der ersten 72 Stunden nach Auftreten der Gelbsucht, indem wir den Bilirubinwert im Blut des Kindes bestimmen. Dazu müssen wir andere Erkrankungen (etwa Erkrankungen von Leber und Galle), die zu ähnlichen Symptomen führen, bei der Diagnose ausschließen.

Therapie

Erfolgreich und Mittel der Wahl ist die so genannte Phototherapie, bei der wir das Kind ca. zwei Tagen in Intervallen von vier Stunden blauem Licht aussetzen. Die Bestrahlung mit dem harmlosen Licht regt den kindlichen Organismus an, das Bilirubin aufzuspalten und abzubauen. In extremen Ausnahmefällen kann eine Bluttransfusion angezeigt sein, um die Bilirubinkonzentration schnell zu senken.

Wir behandeln im Jahr über fünfzig Fälle schwerer Neugeborenengelbsucht.