Infektionskrankheit, ausgelöst durch Spirochäten-Bakterien, bzw. -Viren

Lyme-Borreliose, Infektion, Bakterien, Zecken, Frühsommer-Meningo-Enzephalitis, Hautausschlag, Erythema migrans, Neuroborrelliose, Fazialisparese, Blutuntersuchung, Lumbalpunktion, Entnahme von Nervenwasser, Antibiotika, Tetracycline, Unverträglichkeit gegen Antibiotika

Infektionskrankheit, ausgelöst durch Spirochäten-Bakterien (Lyme-Borreliose)

Diese systemische Erkrankung ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien aus der Familie der Spirochäten ausgelöst wird. Hauptverantwortlich für die Erkrankung ist das Bakterium Borrelia burgdorferi, von dessen Name sich die Bezeichnung Borreliose ableitet. Der Erreger wird meist durch einen Zeckenbiss übertragen, auch Bremsenstiche sind möglich. Ob beispielsweise Stechmücken Überträger sein können, wird derzeit kontrovers diskutiert. In Norddeutschland ist das Risiko, an der LB zu erkranken, geringer als in Mittel- oder Süddeutschland. Hier – im Norden – liegt der Durchseuchungsgrad der Zecken mit Borrelien bei unter zehn Prozent.

Bei der Lyme-Borreliose handelt es sich um eine systemische Erkrankung – es können mehrere Organe betroffen sein – die in drei fließend ineinander übergehenden Stadien verläuft. Insofern handelt es sich um keine „rein“ neurologische Erkrankung. Zwischen diesen Krankheitsstadien liegen oft längere beschwerdefreie Perioden. Zunächst kommt es ca. nach einer bis drei Wochen zu einer lokalen Infektion. In einer zweiten Phase, die vier Wochen bis drei Monaten andauert – der Zeitraum kann stark variieren – streut der Erreger in verschiedene Organe, das Nervenssystem und das Bindegewebe. Wird die Erkrankung nicht behandelt, manifestiert sich die Borreliose und wird chronisch.   

Die Diagnose ist nicht einfach, da etwa nur die Hälfte der Patienten in den ersten dreißig Tagen Antikörper entwickeln. Auch sind die Symptome anderer Erkrankungen, die ebenfalls von Zecken übertragen werden, der Borreliose ähnlich. Diese Erkrankungen und zahlreiche andere wie die Multiple Sklerose schließen wir im Rahmen der Differentialdiagnose aus.

Von der Lyme-Borreliose müssen wir die FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis) unterscheiden, die ebenfalls von Zecken übertragen, jedoch von einem Virus ausgelöst wird. Gegen diese Krankheit ist eine Impfung möglich, gegen die Borreliose leider nicht.

Symptome

Die Krankheitszeichen der Lyme-Borreliose sind so zahlreich, dass eine umfassende Aufzählung den Rahmen dieses Textes sprengen würde. Das wichtigste Symptom ist ein Hautausschlag, der sich kreis- bzw. ringförmig um die Bissstelle bildet und von dort aus ausweitet. Ist gesichert, dass unser Patient von einer Zecke gebissen wurde und zeigt sich der Erythema migrans genannte Ausschlag, können wir nach einigen Tests praktisch sofort mit der Therapie beginnen. Zu den unspezifischen Symptomen (die auch auf andere Krankheiten hinweisen könnten) gehören Muskel- und Gelenkschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen und chronische Erschöpfung. Problematisch an diesen Symptomen ist, dass viele Ärzte die Infektion leicht mit einer Sommergrippe verwechseln.

Störungen des Gesichts- und Tastsinns sind für das mittlere Stadium der Lyme-Borreliose typisch. Etwa jeder zehnte Patient bildet die so genannte Neuroborrelliose aus. Hier treten u.a. Lähmungen und Taubheitsgefühle, starke Nerven- und Kopfschmerzen, Depressionen, Schwindel, Gehstörungen, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen auf. Eine Lähmung der Gesichtsnerven ist eine häufige Erscheinung. Im späten Stadium kommen zu den genannten Symptomen Gelenkentzündungen, die häufig und schnell den Ort wechseln können, Hautveränderungen, Herzbeschwerden und Nervenentzündungen.

Diagnose

Wie gesagt ist die Diagnose der Lyme-Borreliose nicht einfach. Die klinische Untersuchung liefert uns gemeinsam mit dem Deuten der Symptome erste Hinweise auf die Erkrankung. Zwei Tests des Blutserums (ELISA / Westernblot) zählen zu den wichtigen Verfahren. Eine labormedizinische Untersuchung des Liquor (Nervenwasser) kann den Verdacht auf eine Neuroborreliose erhärten. Wir gewinnen die Flüssigkeit durch eine Lumbalpunktion (Entnahme des Liquor mittels einer Hohlnadel in Höhe der Lendenwirbelsäule). Alle Testverfahren haben jedoch spezifische Nachteile. Nicht alle Patienten bilden Antikörper gegen die Spirochäten aus. Eine frühere Infektion durch Borrelien, die der Körper jedoch besiegt hat, können die Testergebnisse verfälschen.

Therapie

Wir schneiden die Therapie der Lyme-Borreliose individuell auf Intensität und Stadium der Krankheit sowie auf den Zustand des Patienten zu. Dazu verwenden wir verschiedene Antibiotika in Kombination oder hoch dosiert. In frühen Stadien erzielen wir gute Erfolge mit Tetracyclinen, die das Wachstum des Bakteriums hemmen. In der Regel dauert die Behandlung mit dem Medikament vier Wochen.

Meist können die Pharmazeutika bei Kindern oral verabreicht werden; die kleinen Patienten vertragen die Behandlung in der Regel gut. Besonders wichtig: Wir müssen wissen, ob sich bei früheren Erkrankungen eine Unverträglichkeit bei Antibiotika gezeigt hat.

Pro Jahr behandeln wir ca. 30 Fälle von Spirochäten-Infektionen.