Kombinierte Entwicklungsstörung z.B. des Sprechens, der Sprache, der Bewegungen oder schulischer Leistungen

Lese- und Schreibstörung (Legasthenie), Rechenstörung (Dyskalkulie), Kombinierte Störung aus Legasthenie und Dyskalkulie, Entwicklungsstörung der motorischen Funktionen

Kombinierte Entwicklungsstörung z.B. des Sprechens, der Sprache, der Bewegungen oder der schulischen Leistungen

Die im Titel beschriebene Entwicklungsstörung bezieht sich auf ein weites Feld der Störungen, denen keine offensichtliche organische Schädigung zugrunde liegt, bei denen verschiedene einzelne Befunde feststellbar sind, ohne dass eine davon als Hauptdiagnose angesehen werden könnte. Zu diesen Einzelbefunden zählen:

 

  • Lese- und Schreibstörung (Legasthenie)
  • Rechenstörung (Dyskalkulie)
  • Kombinierte Störung aus Legasthenie und Dyskalkulie
  • Entwicklungsstörung der motorischen Funktionen

In dem engen Rahmen dieses Artikels ist es unmöglich, die Folgen der Phänomene, die Symptome oder die verschiedenen Therapieansätze zu beschreiben. Aus diesem Grund beschränken wir uns auf eine Darstellung der wichtigsten Fakten. Grundsätzlich fällt bei den Störungen eine familiäre Häufung auf, was auf eine Vererbbarkeit schließen lässt. Organische Ursachen, die für schulische Schwierigkeiten verantwortlich sein könnten wie z.B. Fehlsichtigkeit oder Schwerhörigkeit können wir in der Regel ausschließen. Weiterhin müssen wir neurologische und emotionale Befunde ausschließen, solange sie nicht für die schulischen Probleme ursächlich sind. Auch soziale Ursachen müssen bei der Diagnose ausgeschlossen werden. So sind die Scheidung der Eltern, die Wohnsituation, der Leistungsdruck in der Schule, der Medienkonsum (Computer, Fernsehen) Faktoren, die die Schulleistungen negativ beeinflussen und die bei der Diagnose ausgeschlossen werden müssen. Bei allen vier genannten Störungen kann eine Einschränkung der Intelligenz bzw. der kognitiven Fähigkeiten vorhanden sein, was jedoch bei weitem nicht auf alle Fälle zutrifft.

Lese- und Schreibstörung (Legasthenie): Von den unterschiedlichen Formen der Lese- und Schreibstörung ist ca. jedes zwanzigste Schulkind betroffen, wobei mehr Jungen als Mädchen unter der Störung leiden. Diese Störungen beeinträchtigen den schulischen Werdegang und damit das gesamte Berufsleben maßgeblich. Allerdings kann die Mehrzahl der betroffenen Schulkinder erfolgreich therapiert werden, wenn die Lese- und Schreibstörung frühzeitig erkannt und konsequent behandelt wird. Bei Legasthenikern ist die Fähigkeit, die gesprochene in die geschriebene Sprache und umgekehrt zu wandeln, eingeschränkt. Die Unfähigkeit, Buchstaben zu identifizieren, das Verdrehen, Weglassen und Ersetzen von Worten oder Silben, eine niedrige Lesegeschwindigkeit, große Fehlerzahl beim Schreiben etc. zählen zu den Symptomen, dazu können weitere kommen:

  • bei allen Fächern, bei denen es auf den Spracherwerb ankommt, sind die Noten schlecht, in den anderen Fällen deutlich besser,
  • Schulangst, infolgedessen körperliche Beschwerden,
  • Verhaltensauffälligkeiten

Um die Störung zweifelsfrei diagnostizieren zu können, sind eine Reihe von Testungen nötig: Dazu zählt eine umfassende Anamnese (Krankengeschichte) des Kindes / der Familie, medizinisch / neurologische Testungen, Hör- und Sehtests, Lese-, Rechtschreib- und Intelligenztests sowie andere Tests. Bei der Behandlung existiert eine große Zahl unterschiedlicher Therapieformen. Die Therapie schneiden wir auf den individuellen Fall des Kindes zu. Dabei gilt es vor allem, die besondere Situation (z.B. Schulangst) des Kindes zu berücksichtigen.

Rechenstörung (Dyskalkulie): Mit diesem Begriff bezeichnen wir – grob gesagt – die Schwäche von Kindern und Jugendlichen, in mathematischen Kategorien zu denken und mathematische Aufgaben zu lösen: Das Zählen ist deutlich verlangsamt, Mengen können schlecht eingeschätzt werden, das Arbeiten im Dezimalraum, also mit Zehner-, Hunderter- oder Tausendereinheiten fällt schwer. Ca. fünf Prozent aller Schüler sind hiervon betroffen. Die Diagnostik bezieht sich ähnlich wie bei der Legasthenie auf eine Reihe von Testverfahren, die Therapie folgt ebenfalls individuellen Ansätzen.

Entwicklungsstörung der motorischen Funktionen: Die motorische Entwicklung ist für das buchstäbliche Begreifen der Umwelt grundlegend. So hemmen Einschränkungen in diesem Bereich nicht nur die schulische, sondern auch die Gesamtentwicklung des Kindes. Die komplexen Bewegungsabläufe, des Gehens, Greifens, Koordinierens können durch zahlreiche körperliche Beeinträchtigungen wie neurologische Störungen oder Muskel- und Gelenkerkrankungen beeinträchtigt werden. Liegt jedoch eine Entwicklungsstörung zugrunde, fehlen offensichtliche körperliche Ursachen oder eine Beeinträchtigung der Sinne. Das Phänomen fällt durch motorische Einschränkungen bzw. eine nicht altersgemäße Entwicklung entsprechender Fertigkeiten bei sportlichen Tätigkeiten (Bälle werfen und fangen), Gleichgewichtsspielen, Basteln, kurz allen feinmotorischen Tätigkeiten einschließlich des Sprechens auf. Um zu beurteilen, ob es sich um eine harmlose Entwicklungsverzögerung handelt oder um eine Entwicklungsstörung, die behandelt werden muss, ist auch bei diesem spezifischen Befund eine Reihe von Tests notwendig. Die Therapie folgt einem ganzheitlichen Ansatz, der die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse des Kindes berücksichtigt.