Milchschorf bzw. Neurodermitis

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Milchschorf bzw. Neurodermitis

Der Begriff „Neurodermitis“ stammt aus einer Zeit, in der die medizinische Forschung dachte, die Hautirritationen haben mit den Nerven zu tun, deshalb auch die Vorsilbe „Neuro“. Heute sprechen wir in der Medizin vom atopischen Ekzem. „Atopisch“ bedeutet so viel wie „nicht zuzuordnen“ und verweist auf die Tatsache, dass die Ursachen der Erkrankung bis heute nicht eindeutig geklärt sind. Als sicher kann gelten, dass verschiedene Aspekte zusammenkommen müssen, um ein solches Ekzem auszulösen. Dazu gehören genetische, immunologische und Umweltfaktoren. Den stärksten Einfluss haben sicher die Gene: Sind beide Eltern eines Neurodermitispatienten ebenfalls betroffen, so besteht eine nahezu fünfzigprozentige Möglichkeit, dass der Säugling ebenfalls erkrankt. Die Ernährung des Kleinkinds spielt ebenso eine Rolle wie die Körperpflege, die Kleidung sowie die Umgebungsbedingungen. Säuglinge, die bis zum sechsten Lebensmonat voll gestillt wurden, gelten als weniger anfällig gegen Neurodermitis. Kinder, in deren Umgebung stark geraucht wird, sind signifikant stärker gefährdet als der Nachwuchs von Nichtrauchern. Krankheitsschüben stehen oftmals beschwerdefreie Zeiten gegenüber. Die Erkrankung hat trotz ihrer körperlichen Ursachen eine starke seelische Komponente. Da das Gesicht, der Kopf, die Hände, Armbeugen und Kniekehlen besonders betroffen sind und diese Körperteile den Blicken der Umwelt ausgesetzt sind, kommt es aus Furcht vor Ansteckung häufig zu einer Ablehnung den Kranken gegenüber. Hier ist Aufklärung des kindlichen Umfelds besonders wichtig: Die Krankheit ist nicht ansteckend, kann sich aber durch den psychischen Druck verschlechtern bzw. der Druck einen Schub auslösen.

Der im Titel erwähnte Milchschorf ist in vielen Fällen eine Vorform des atopischen Ekzems. Mit einer Milchallergie o.ä. hat der Name übrigens nichts zu tun. Vielmehr erinnern Farbe und Form des Schorfs an verbrannte Milch.

Symptome

Die Symptome unterscheiden sich je nach Lebensalter. Während sich die akute Neurodermitis beim Säugling in roten, schorfigen und stark juckenden Stellen vornehmlich auf dem Kopf und im Gesicht äußert, verbreitet sich die chronische Form bei älteren Kindern und Jugendlichen beispielsweise auch über die Hände und Arme, Armbeugen, Kniebeugen, den Nacken und den Genitalbereich. Die Haut ist extrem trocken, die Tätigkeit der Talgdrüsen ist eingeschränkt. Oft sind die Hautstellen auch blutig aufgekratzt, da sich das Kind nachts im Schlaf unbewusst kratzt. Bei dem chronischen atopischen Ekzem kommt es auch zur Bildung von Knoten und flüssigkeitsgefüllten Bläschen. Die stark gereizte, an ihrer Oberfläche verletzte Haut bietet überdies Bakterien und Pilzen ideale Möglichkeiten, sich auszubreiten. Weitere Entzündungen sind dann die Folge.

Diagnose

Besonders wichtig ist im Fall der Neurodermitis die umfassende Aufnahme der Anamnese (Krankengeschichte). So können wir identifizieren, welche Auslöser für die Krankheitsschübe verantwortlich sind. Dazu zählen unter anderen Textilien, Stress, Nahrungsmittel, Waschgewohnheiten, Nahrungsmittelzusatzstoffe, Schweiß und Infektionen durch bestimmte Keime. Bestimmte äußere Merkmale verweisen auf das atopische Ekzem. Außerdem müssen wir andere, ähnlich erscheinende Erkrankungen wie das seborrhoische Ekzem ausschließen. Anschließend müssen wir die Erkrankung gemäß der Schwere der Symptome klassifizieren.

Therapie

Das Ekzem ist nicht heilbar, die Symptome lassen sich jedoch in der Regel gut in den Griff bekommen. Die verschiedenen Therapieformen schneiden wir individuell auf die Bedürfnisse der kleinen Patienten zu. Dazu gehört die Vermeidung des Kontaktes mit den Auslösern (siehe Diagnose) und die tägliche Pflege der trockenen, juckenden Haut mit Salben und Cremes. Bei Superinfektionen durch Bakterien ist eine Therapie mit Antibiotika notwendig, bei schweren Schüben können antientzündliche Pharmazeutika sowie Antihistaminika gegen den Juckreiz helfen. Eine Umgebung, in der möglichst wenig Allergie auslösende Faktoren vorhanden sind, unterstützt die Behandlung. Auch die Vermeidung bestimmter Nahrungsmittel kann manchmal hilfreich sein. Die Bestrahlung mit UV-Licht entfaltet in bestimmten Fällen eine lindernde Wirkung.