Neurogene Blasen- und Mastdarmentleerungsstörung

Funktionsstörung Schließmuskel, Inkontinenz, Blasenentzündung, Querschnittslähmung, Überlaufblase, Reflexblase, Harnrückstau, Katheter

Neurogene Blasen- und Mastdarmentleerungsstörungen

Der Mastdarm ist ein Teil des Enddarms, in dem sensible Nerven die Füllung des Darms registrieren und die Entleerung einleiten. Ähnlich funktioniert die Blase: Die Reize wandern über die Nervenleitung von der Blase zum Gehirn und wieder zurück. Die Füllung wird gemeldet, die Entleerung eingeleitet.

Unter einer neurogenen Blasen- und Mastdarmentleerungsstörungen verstehen wir eine Funktionsstörung, deren Ursache in der Erkrankung oder Verletzung bestimmter Nerven liegt. Gesunde Kinder erlangen im Alter zwischen drei und fünf Jahren die Kontrolle über die Schließmuskel der Blase und des Mastdarms. Dazu ist ein komplexes Zusammenspiel von Nerven und Muskeln notwendig: Der Befehl des Gehirns beispielsweise zum Öffnen und Entleeren der Blase wird über das Rückenmark in die unteren Körperregionen gesandt. Ist diese Leitung durch Verletzung oder Krankheit gestört, kann es zu verschieden ausgeprägten Störungen wie z.B.Inkontinenz kommen. Dazu zählen auch andere  Probleme wie Harnrückstau, der die Niere schädigen kann oder Blasenentzündungen.

Verschiedene Erkrankungen, aber auch Traumata durch Unfälle kommen als Ursache in Frage: Multiple Sklerose, Diabetes mellitus, Tumoren, Querschnittslähmung, Spina bifida.

Symptome

Die bekannteste und häufigste Symptomatik der neurogenen Blase ist die Inkontinenz, also das Unvermögen den Harn zu halten. Es gibt verschiedene Ausprägungen der Inkontinenz. Bei der Überlaufblase verlässt der Urin tröpfchenweise die Harnröhre. Es fließt immer der Urin ab, der in der Blase keinen Platz mehr findet. Bei der Reflexblase zieht sich das Hohlorgan, wie der Name schon sagt, reflexartig zusammen, ohne dass der Patient Einfluss auf die dann folgende Entleerung hätte. Anzeichen einer neurogenen Blase können ebenfalls sein, wenn der Patient Schwierigkeiten beim Wasserlassen hat oder kein Wasser lassen kann.

Die Mastdarmfunktionsstörungen werden in verschiedene Schweregrade eingeteilt. Die Unterwäsche kann lediglich beschmutzt sein, Darmwinde oder flüssiger Stuhl können unkontrolliert abgehen oder der Patient hat keine Kontrolle mehr über die Darmfunktion.

Diagnose

Bei der Diagnose beider Funktionsstörungen betrachten wir sowohl die Organe selbst als auch die Nervenleitungen dorthin. Neurologische Messung der Reizleitung, Untersuchungen des Schädels, des Rückenmarks durch bildgebende Verfahren, eine Ultraschalluntersuchung des Enddarms, Schichtaufnahmen des Beckenbodens, Röntgenuntersuchungen mit Kontrastmittel und Spiegelungen geben uns Anhaltspunkte für die Ursachen der Mastdarmfunktionsstörung.

Bildgebende Verfahren wie eben beschrieben sind auch bei der neurogenen Blase angezeigt, dazu eine Messung des Harnflusses (Uroflowmetrie).

Therapie

Die Therapie richtet sich immer nach den Ursachen der Funktionsstörung. Wichtig ist zunächst, den Harnrückstau in die Niere und die Blasenentzündung zu verhindern. Dazu kann eine medikamentöse Therapie dienlich sein, bei der auch Antibiotika beteiligt sein können. Bei bestimmten, irreversiblen Unterbrechungen der Reizleitung muss der Harn über einen Katheter abgeleitet werden. Dazu ist eine intensive Schulung notwendig, in der der kleine Patient lernt, mit dem Katheterbeutel umzugehen.