Schädigung des ungeborenen Kindes bzw. des Neugeborenen durch Komplikationen von Mutterkuchen (Plazenta), Nabelschnur oder Eihäuten

Placenta praevia, Plazentalösung, Lösung der Plazenta, Entzündungen der Eihäute, Amnionitis, Einklemmungen der Nabelschnur, Nabelschnur eingeklemmt, Schnittentbindung, Kaiserschnitt

Schädigung des ungeborenen Kindes bzw. des Neugeborenen durch Komplikationen von Mutterkuchen (Plazenta), Nabelschnur oder Eihäuten

Vor und während der Geburt kann es zu Komplikationen kommen, die das Neugeborene bzw. die Mutter gefährden. Wir haben die häufigsten Erkrankungen der letzten Schwangerschaftsphase zusammengestellt und erläutern Ihnen, welche diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten wir haben. Werden die Krisen frühzeitig erkannt, bestehen gute Chancen, dass Mutter und Kind gesund bleiben.

Plazenta Praevia

Die Plazenta (Mutterkuchen) bildet sich während der Schwangerschaft und hat die Aufgabe, das ungeborene Kind mit Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen sowie Ausscheidungsprodukte abzutransportieren.

In seltenen Fällen (einem halben Prozent aller Schwangerschaften) kann es zu einer so genannten Plazenta Praevia, einer Fehllage des Mutterkuchens kommen. Traumata, ein höheres Alter der Schwangeren bzw. Mehrfachgeburten scheinen das Phänomen zu begünstigen, jedoch sind die Ursachen nicht abschließend geklärt. Tritt dieser Fall ein, kann der innere Muttermund teilweise oder ganz verdeckt werden. Je nach Lage der Plazenta kann noch eine vaginale Geburt möglich sein oder muss schon ein Kaiserschnitt durchgeführt werden. Wir sprechen von einer Plazenta Praevia ab der 26. Schwangerschaftswoche. Das wichtigste Symptom ist eine hellrote Blutung, Wehen sind nicht festzustellen, ebenso wenig wie sonstige Schmerzen. Besonders wichtig ist, falls der Verdacht auf die PP besteht, die genaue Lage der Plazenta festzustellen. Dazu untersucht der behandelnde Arzt in der Regel per Ultraschall, auch um eine Plazentalösung (siehe dort) auszuschließen.  Wie gesagt, hängt das weitere Vorgehen davon ab, inwieweit der Mutterkuchen den Muttermund verdeckt und eine vaginale Entbindung erschwert oder unmöglich macht. Im letzten Fall ist eine Schnittentbindung nötig.

Vorzeitige Ablösung der Plazenta

Eine ebenfalls selten (unter einem Prozent aller Schwangerschaften) auftretende Komplikation bei fortgeschrittenen Schwangerschaften ist die vorzeitige, komplette oder teilweise Ablösung der Plazenta. Diese Erkrankung hat ähnliche Ursachen wie die Plazenta Praevia, dazu können noch Bluthochdruck, falsche Ernährung oder Alkohol- oder Nikotinmißbrauch kommen. Die Lösung des Mutterkuchens kann eine schwerwiegende Erkrankung sein, die Mutter und Kind bedroht. Das Kind wird in gravierenden Fällen nicht mehr oder nur unzureichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt, bei der Mutter verursacht die Plazentalösung vom Uterus eine Wunde mit mitunter starker Blutung. Der Blutverlust wird durch eine Scheidenblutung sichtbar, die jedoch selten Aufschluss über das tatsächliche Ausmaß der Verletzung gewährt. Daneben gibt es auch Fälle, bei denen sich statt der Blutung ein Hämatom (Bluterguss) bildet und kein Blut austritt. Neben dem Schock, Übelkeit, starken Schmerzen der Gebärmutter, einem harten tastbaren Uterus besteht das Hauptproblem in einem stark gestörten Gerinnungssystem. Treten diese akuten Symptome auf, bedarf die Mutter unverzüglicher ärztlicher Hilfe. Die Lösung der Plazenta kann mit der hoch auflösenden Farbdoppler-Sonografie sichtbar gemacht werden. Auch hier kann, je nach Schwere der Erkrankung, ein Kaiserschnitt angezeigt sein. Blutkonserven werden, abhängig vom Blutverlust, gegeben.

Plazentitis

Unter diesem Begriff verstehen wir eine Infektion der Plazenta. Ursache sind häufig Risse in der Eihaut, die das Einfallstor für Bakterien in den Fötus darstellen und die sich entwickelnden Organe schädigen. Seltener sind Viren oder Pilze beteiligt. Hier besteht höchste Gefahr für Mutter und Kind. Fieber und allgemeines Unwohlsein sind die häufigsten Erscheinungen dieser seltenen Erkrankung. Die Entzündungsmarker im Blut geben bei der labormedizinischen Diagnostik Aufschluss über die Plazentitis. Die Therapie richtet sich nach Art und Schwere der Infektion, beinhaltet aber in der Regel die Gabe von Antibiotika, die auf den Erreger abgestimmt werden. In bestimmten Fällen muss die Geburt eingeleitet werden.

Amnionitis

Ebenfalls eine in der Regel bakteriell verursachte Entzündung stellt die Amnioitis dar. Zu einer Infektion der inneren Eihülle kommt es, wenn beispielsweise durch einen vorzeitigen Blasensprung Bakterien eindringen können. Auch hier handelt es sich häufig um Streptokokken, Staphylokokken oder E. coli. Fieber, körperliche Erschöpfung und Unwohlsein sind die häufigsten Krankheitszeichen. Eine Untersuchung des Blutes auf Entzündungsmarker bzw. des Fruchtwassers gehören zur Standarddiagnostik. Vermehrte weiße Blutkörperchen und der Nachweis eines erhöhten CRP-Spiegels (das Vorhandensein eines bestimmten Proteins) weisen auf die Infektion hin. Wie bei der Plazentitis wird eine Antibiotikatherapie, die auf die Erreger und die Schwere der Erkrankung zugeschnitten ist, eingeleitet.

Einklemmen der Nabelschnur

Stellvertretend für andere Vorfälle der Nabelschnur stellen wir Ihnen das für das ungeborene Kind lebensbedrohliche Einklemmen der wichtigsten Verbindung zur Mutter vor. Die Nabelschnur transportiert unter anderem Sauerstoff in den kindlichen Organismus. Ist dieser Transportweg unterbrochen, droht dem Kind Sauerstoffmangel bis hin zum Ersticken. Für dieses Phänomen können verschiedene Gründe wie die Beckenendlage und andere Fehllagen des Kindes, eine bevorstehende Mehrlingsgeburt oder ein Blasensprung verantwortlich sein. Ist ein Blasensprung mit den beschriebenen Folgen festgestellt worden, ist Eile geboten. Die Schwangere muss liegen, dass Becken hoch gelagert werden. Außerdem muss das Kind so schnell wie möglich entbunden werden.

Jährlich behandeln wir ca. 25 der beschriebenen Fälle.