Störung aufgrund kurzer Schwangerschaftsdauer /niedrigem Geburtsgewicht

Frühchen, Frühgeburt, Frühgeborene, vorzeitiger Blasensprung, Atemnotsyndrom des Neugeborenen, Hirnblutungen, Retinopathie, Nekrotisierende Enterokolitis, Nekrose

Störung aufgrund kurzer Schwangerschaftsdauer /niedrigem Geburtsgewicht

Etwa vierzig Wochen, entsprechend 280 Tage dauert eine komplikationsfreie „normale“ Schwangerschaft. Kinder, die vier und mehr Wochen vor diesem Termin geboren werden, und ein Geburtsgewicht von weniger als 2500 gr. aufweisen, gelten als Frühgeborene. Davon werden sehr kleine und extrem kleine Frühgeborene unterschieden; erstere mit einem Gewicht von unter 1500 gr. und vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren, letztere verfügen über ein Gewicht von unter 1000 gr. Die eigentlichen Probleme bei den Frühchen bestehen in der Unreife innerer Organe und typischer Erkrankungen, unter denen frühgeborene Kinder leiden können. Es gilt gerade für die extrem kleinen Frühgeburten die Faustregel, das je länger die Geburt hinausgezögert werden kann und je mehr die Kleinen an Gewicht und Größe zulegen können, desto besser stehen die Chancen für das Kind zu überleben bzw. – im besten Fall – die erste kritische Phase ohne Behinderung zu überstehen. Deshalb ist es unser Bestreben, die Schwangerschaft so lange wie möglich aufrecht zu erhalten.

Als Ursachen für Frühgeburten gelten in erster Linie Infektionen des mütterlichen Genitaltraktes, Erkrankungen der Plazenta, vorzeitige Ablösung der Plazenta sowie Alkohol- und Nikotinabusus während der Schwangerschaft. Auch Erkrankungen / Fehlbildung des Fetus können Frühgeburten auslösen. In vielen Fällen ist jedoch keine Ursache für die vorzeitigen Wehen, den vorzeitigen Blasensprung auszumachen. Beide zusammen sind mit Blutungen, einem verkürzten Gebärmutterhals sowie dem geöffneten Muttermund die wichtigsten Symptome, die eine vorzeitige Geburt anzeigen.

Häufige Erkrankungen aufgrund kurzer Schwangerschaftsdauer /niedrigem Geburtsgewicht (Beispiele)

Atemnotsyndrom des Neugeborenen: Erst ab der 35. Schwangerschaftswoche bildet der kindliche Organismus die körpereigenen Substanzen, die zur Lungenreife und damit zum selbstständigen Atmen führen. Bestimmte Medikamente fördern das Lungenwachstum. Dazu muss das sehr kleine und extrem kleine Frühgeborene intubiert und künstlich beatmet werden. Bei der Beatmung kann sich eine so genannte Beatmungslunge bilden; darunter verstehen wir die Schädigung der Lungenbläschen durch den Sauerstoff, ähnlich der, die bei der Taucherkrankheit auftauchen kann.

Hirnblutungen: Eine weitere Gefährdung der Frühchen besteht im Einreißen bestimmter Gehirngefäße. Die folgende Blutung kann zu einem Schock bzw. zu einem Wasserkopf führen. Der Schwere der Blutungen wird in vier Grade eingeteilt: Während Grad I + II in der Regel keine Folgeschäden auslösen, ist das bei den Graden III + IV wahrscheinlich. Wir kontrollieren den Zustand der Gefäße regelmäßig per Ultraschall.

Retinopathie: Darunter verstehen wir eine Erkrankung der Netzhaut, die bei Frühgeborenen eine Folge der Unreife ist. Die Netzhaut entwickelt sich im Mutterleib unter Ausschluss von Luftsauerstoff. Findet der Reifungsprozess beim Frühgeborenen an der Luft statt, bildet die Netzhaut unkontrolliert Blutgefäße, die im schlimmsten Fall zu Netzhautablösung und Blindheit führen können. Wir untersuchen die Früh- und Neugeborenen regelmäßig auf diese Augenerkrankung, die wir gegebenenfalls per Laser oder Kältetherapie behandeln.

Nekrotisierende Enterokolitis: Auch dieser Erkrankung des Darms hat ihre Ursache in der Unreife des Darms. Die Darmwand wird durch mangelnde Durchblutung geschädigt, das Gewebe stirbt ab (Nekrose). Je nach Schwere der Erkrankung können verschiedene Therapieformen von der Gabe von Antibiotika bis hin zu Anlage eines künstlichen Darmausgangs in Frage kommen.

In einem Perinatalzentrum wie dem unseren Auf der Bult, mit der interdisziplinären Kompetenz von speziell qualifizierten Geburtshelfern und Neonatologen sowie einer technischen Ausstattung auf neustem Stand haben Frühgeborene gute Chancen, die ersten kritischen Wochen ohne bleibende Schäden zu überstehen.

Wir behandeln über 250 Patienten mit Störung aufgrund kurzer Schwangerschaftsdauer /niedrigem Geburtsgewicht