Verbrennungen, Verbrühungen und Verätzungen der Haut

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Verbrennungen, Verbrühungen und Verätzungen der Haut

Verbrennungen oder Verbrühungen sind im Kindesalter häufige Unfälle und betreffen in mehr als der Hälfte der Fälle Kleinkinder im Alter von null bis drei Jahren. In dieser Altersgruppe ereignet sich der Unfall in der Regel im häuslichen Milieu. Am häufigsten (60 bis 85%) kommen Verbrühungen mit heißen Flüssigkeiten vor. Sie werden zum Beispiel durch Herabziehen von Töpfen mit heißem Wasser, Tee oder Kaffee oder seltener durch Fallen in die mit heißem Wasser gefüllte Badewanne verursacht. Bei den Kleinkindern kommt es zudem häufig zu Kontaktverbrennungen der Hände, die durch das Berühren heißer Backofentüren, Herdplatten oder Bügeleisen verursacht werden. Je älter die Kinder sind umso mehr verlagert sich die thermische Verletzung von der Verbrühung zur Verbrennung. Bei den Schulkindern stehen Verbrennungen durch Spielen mit dem Feuer bzw. den unsachgemäßen Gebrauch von Brandbeschleunigern und Feuerwerkskörpern im Vordergrund. Jedes Jahr kommen vor allem im Sommer Verbrennungen durch Spiritusverpuffungen beim Grillen dazu. Oft sind die Verursacher Erwachsene, die Spiritus auf die Glut gießen. Das daneben stehende Kind wird dann von der meterhohen Stichflamme erfasst und in Flammen gesetzt. Die dadurch entstehenden Verbrennungen betreffen fast immer Gesicht, Hals, Brust, Arme und Hände. Starkstromverletzungen, die beim Spiel unter Oberleitungen auftreten, sind ebenfalls typisch für die Altersgruppe der Schulkinder. Verletzungen durch Hausbrände sind in Deutschland eher selten. Hier steht meist ein Inhalationstrauma im Vordergrund.

Ersthilfe und Therapie

Unmittelbar nach dem Unfall beginnen die Erstmaßnahmen, die nach Möglichkeit schon von den Eltern des Kindes ausgeführt werden. Nachdem das Kind – wenn nötig – aus der Gefahrenzone entfernt wurde, sollte (bei Verbrühungen) die mit der heißen Flüssigkeit getränkte Kleidung entfernt werden. Anschließend müssen die betroffenen Areale mit kühlem Wasser für etwa 10 Minuten gekühlt werden. Für den anschließenden Transport in die Klinik sollten die verbrannten Areale mit sauberen feuchten Tüchern bedeckt werden – keinesfalls mit Cremes, Pasten oder ähnlichem – darüber kommt eine trockene warme Decke, die das ganze Kind einhüllt, um es vor Unterkühlung zu schützen.

Der erstbehandelnde Arzt entscheidet, wo die Behandlung des brandverletzten Kindes durchgeführt wird. Entscheidend dafür sind die Tiefe und die Ausdehnung der Verbrennung. Wir unterscheiden drei Verbrennungsgrade: 

  • Grad 1: Betrifft nur die oberste Hautschicht (Epidermis) und ist gekennzeichnet durch eine Hautrötung und mäßige Schmerzen. Typisches Beispiel ist z.B. der Sonnenbrand. Die Schmerzen klingen nach 48 bis 72 Stunden ab.
  • Grad 2a: Betrifft Epidermis und oberflächliche Anteile der Lederhaut (Dermis). Charakteristisch sind Blasenbildung und roter Untergrund sowie starke Schmerzen. Heilt in der Regel nach sieben bis 14 Tagen ohne Narbenbildung ab.
  • Grad 2b: Betrifft Epidermis und tiefere Schichten der Dermis. Haarfollikel und Drüsenanhangsgebilde bleiben erhalten. Die Schmerzen können etwas weniger ausgeprägt sein, weil weniger intakte Nervenendigungen vorhanden sind. Spontane Heilung ist noch möglich, allerdings sehr langsam und meist mit Narbenbildung. Flüssigkeitsverluste sind ähnlich wie bei dreigradigen Verbrennungen.
  • Grad 3: Vollständige Zerstörung von Epidermis und Dermis inklusive Anhangsgebilde. Das Gewebe ist nach Reinigung weiß bis bräunlich, es bestehen keine Schmerzen, da alle Nervenendigungen zerstört sind. Spontane Heilung ist nicht mehr möglich. Heilung kann nur durch Narbenbildung oder Hauttransplantation erfolgen.

Nach den Leitlinien gehören alle brandverletzten Kinder unter einem Jahr, Kinder mit zweigradigen Verbrennungen über zehn Prozent und dreigradigen Verbrennungen, Inhalationstraumata  sowie mit Elektrotrauma, mit Verbrennungen an Gesicht, Hände, Füße, Genital, Achselhöhle und an Bereichen über den großen Gelenken in die stationäre Behandlung eines Zentrums für Brandverletzte.

Therapie und chirurgische Versorgung

Die chirurgische Erstversorgung führen wir immer in Narkose durch. Wir säubern die verbrannten Areale, wobei wir Blasen und Blasenreste abtragen. Die Wunden desinfizieren wir anschließend und bedecken sie je nach Verbrennungstiefe mit einer geeigneten Wundauflage. Bei tiefen Verbrennungen (Grad 3) entfernen wir innerhalb der ersten vier Tage die verbrannte Haut chirurgisch und bedecken sie mit körpereigener, sehr dünner Spalthaut. Bei Kindern verwenden wir vorzugsweise Spalthaut vom behaarten Kopf des Patienten. Die Oberfläche der Kopfhaut ist bei Kindern verhältnismäßig groß, eine gleichmäßige Entnahme ist durch die harte Schädeldecke als Untergrund möglich, die Entnahmestellen sind später unter den nachgewachsenen Haaren nicht sichtbar und heilen schnell ab. Die in einer Stärke von 0,2 mm entnommene Spalthaut verwandeln wir in ein Gitternetz, welches wir je nach Bedarf in ihrer Oberfläche vergrößern können. 

Nachbehandlung und Narbenversorgung

Nach der chirurgischen Therapie der Verbrennungswunden und erfolgter Einheilung der Spalthaut schließen wir lückenlos die Nachbehandlung an, um überschießende Narbenbildung zu vermeiden und ein möglichst ansprechendes kosmetisches Ergebnis der Narben zu erzielen. Für alle Kinder mit Hauttransplantationen und Verbrennungen mit Narbenbildung werden Kompressionsanzüge maßgefertigt. Diese Anzüge werden möglichst 24 Stunden täglich getragen, um einen kontinuierlichen Druck auf die Narben auszuüben und ein überschießendes Narbenwachstum zu verhindern. Zusätzlich können Silikoneinlagen auf besonders problematische Areale unter die Kompressionskleidung platziert werden. Der Patient soll anfangs täglich baden; die Narben müssen etwa dreimal täglich mit fetthaltiger Creme gepflegt werden. Diese intensiven Maßnahmen werden ein bis zwei Jahre lang bis zur Ausreifung, d.h. zum Verblassen der Narben durchgeführt. Bis sich die Pigmentierung der betroffenen Haut normalisiert hat, müssen die Eltern auf einen konsequenten Sonnenschutz achten.

Verätzungen der Haut

Verantwortlich für Verätzungen der Haut ist der sorglose Umgang mit Säuren und Laugen, die beispielsweise als WC-Reiniger verwendet werden. Der Grad der Verletzung durch die chemischen Stoffe hängt von der Konzentration und Menge der Säure / Lauge, sowie der Länge der Einwirkung ab. Laugen sind grundsätzlich gefährlicher als Säuren, da sie das Gewebe verflüssigen und so in die Tiefe dringen. Verätzungen sollten grundsätzlich mit viel Wasser ausgespült werden. Bei starken Verletzungen ist auf jeden Fall der Notarzt zu rufen.